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Text Oliver Gassner: Teil1 "schrank/schranke" Zuerst eine Zeitreise ins Jahr 1996. 23:22, hier Druecken. Im Wirtshaus, wie im MUD, ASCII-3d, das machten auch manche MUDs, so zum Spass. Im Monitor ist ein Bild, im Bild ist ein Wirtshaus, im Wirtshaus ist ein Schrank. Was ist im Schrank? Und wer ist der Denker im Think-Tank? Ich? Die Autorin? Die Amis definieren navigierbaren Text schon als Hypertext. Scrollen gilt also, klicken muss nicht sein. Ich scrolle. Im Schrank ist also niemand, schon gar keine Dämonen, aber der Regisseur sitzt im Bett auf der Buehne. Play in Play hoch zwei. Also play hoch vier? Der Regisseur ist ein Filmregisseur. Sonst wuerd er ja nicht "!!!BRÜLLEN!!!". Der bruellt, le soleil bruille. Funktioniert so der Text? Alles stoesst alles an? Wie wenn ich Billard spiele? Als globales Billardspiel hat mal Sven Stillich das Netz beschrieben. Der Schrank ist da, der Schrank wird aber auch imaginiert. (Und: er ist kein Schrank sondern ein Mensch.) Die Objekte im Text sind 'soft', so wie in einem Computerprogramm eine Variable alles enthalten kann. So wie in MUDs ein Programmierer aus dem Nichts Dinge erschaffen kann und beliebig das eine in das andere verwandeln kann. (Ist der Computer an sich ein magischer Raum? Wie die seltsamen verhangenen Räume aus den Filmen von David Lynch?) Der Dialog erinnert an den 'Godot'. Scrollen, ein Schluck aus der Flasche Cola, die hier steht. 23:33. Was ist im Schrank? Steineklopfen? Ein Gefängnis? Gequälte Schreie? Die Hoelle? Ich mag Staubsaugen auch nicht. Aha, ein leerer Revoluzzer. Hauptsache dagegen und dafuer. Ist das die Hoelle? Alle Tode enden an der Bar, wie troestlich. Wäre das eine Religion? Eine Theaterreligion? Wir spielen eine Rolle? Und wenn wir durch sind duerfen wir in die Kantine? Durst, Schluck Cola. Also wenn der Käsekuchen frisch und die Pommes knackig sind, trete ich der Theaterkantinen-Religion bei. Der Text bildet Schleifen und wird rekursiv. Ganz ungelinkt noch. Noch hab ich nicht geklickt. Das gefällt mir. Schleifen und Rekursion erzeugt man nicht durch Links, sondern durch Text. Das was angeblich Cyberfiction ausmacht, das liegt nicht wirklich in der Technik. Das wäre, wie zu behaupten, das was Film ausmache liege in der Beleuchtungstechnik oder in der Tricktechnik. Das was Film ausmacht ist seine Art Geschichten zu erzählen. Das was Netztexte ausmacht ist die Art, wie sie das sie umgebende Netz in den Text ziehen. Wie sie zeigen, dass sie af einem Bildschirm stehen. Wie sie zeigen, dass sie auf einem Bildschirm entstanden sind, inmitten von anderen Programmen. Wow, die Dame, die grade erst Gedichte als Word-Anhang schickte, schickt sie jetzt noch mal virenungefährlich direkt in der Mail; und sie ist eventuell interessiert fuer ein Lektorat zu bezahlen. Wunder der Nacht. 23:45 Action comic. Splatter? Im aktuellen T-Online-dtv-Internet-Literaturwettbewerb sind nur Beiträge willkommen, die multimediale Elemente einbinden. Die hätten also Martina Kieningers ASCII-Art nie zu Gesicht bekommen. Selber schuld. Jetzt murmelt der Schrank ein Fortranprogramm vor sich hin. Und wir kriegen (Jetzt musste ich klicken. Wer hat geklickt, der Daemon?) den Output der Compilierung geliefert. Und dann loest sich die Form noch mal auf: ein Lied, pardon, Rap, zwo, drei. More klicking: Hinter den Links gibt es viel Schoenes und Hochamuesantes, aber eben nichts strukturell Neues: die 'Anhängsel' spiegeln in anderen Formen das, was der Text auch schon tut: Bedeutungen schieben, aufloesen, Schleifen bilden, sich selbst umschreiben. (Und im 'Bitte-warten-Sie'-Text konnte ich mich doch nicht zurueckhalten und hab in die HTML-Quelle gelinst, ob da noch eine automatische Weiterleitung nach X Sekunden lauert.) |
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